Vereinschronik

 

Von Johannes Cotta (Schützenzeitung 1934)

Durch das Leben, durch die Sprache schlängelt sich die Schießerei, und es ist, als ob rein gar nichts ohne Schießen möglich sei.Ob nun dieses Schießen fehlgeht oder trifft, das ist egal -jeder hat was "auf dem Korne" zielt und schießt auch allemal.Wenn dem Jüngling an der Nase kaum das erste Härchen sprießt, gleich er sich in eine Jungfrau wie nicht recht gescheit "verschießt".Und sie schießen aufeinander,manchen siedend heißen Blick,schießen bis das Unglück fertig oder aber auch ? das Glück.Manchmal kommt es nicht zum Klappen, wenn die Liebe nicht ganz fest,weil sie ihn, er sie noch öfter,höchst pomadig "schießen lässt".Die Gedanken schießen plötzlichgut und schlecht uns durch den Kopf,und die Zügel seinen Lasternschießen lässt manch dummer Tropf.Wenn er jämmerlich am Ende,all sein Hab und Gut verlor,fragt er. 'rum bei allen Leuten"Schießt mir einer etwas vor?"Aber "Vorschuss" ist ein Schießen,das man ungern von sich gibt,weil mit dieser Art von Schüssenman sehr leicht sein Geld versiebt.Wen'ge treffen in das Schwarze,wenige mit schaufeln Blick. Fleiß und Arbeit sind vergeblich, kommt zu Hilfe nicht das Glück. Passen wir auch wie ein "Schießhund" auf Gelegenheiten auf -ist es soweit, abzudrücken, wackelt unser Flintenlauf;oder aber unser Pulver ward von vielen Tränen nass, und bis wieder wir geladen beißen elend wir ins Gras.Alles schießt! Die Wasser schießen, die Lawine schießt zu Tal und der Sonnenball schießt Strahlen, aus dem Nichts schießt der Skandal.Menschen fanden Schießbaumwolle und den Blitz die Gottheit fand. Uns're Erde ist im Grunde auch nichts, auch nichts als ein Scheibenstand.Mancher schießt sein ganzes Leben niemals scharf, nein, immer blind; und das "Purzelbäumeschießen" üben Mann und Weib und Kind.Ach, es ist "zum Schießen" komisch Mit der lieben Schießerei und wie gut ist für uns immer, das Schuss und Treffer stets sind zweierlei!Ist die Munition verschossen, schließt das ird'sche Schützenfest, alle Ziele sind versunken, tiefes Schweigen ist der RestDoch im letzten Stündlein schießen Hoffnungsstrahlen Kraft und Mut: ,,Lebet wohl ihr Schützenbrüder! Abgekommen bin ich gut!"
Grußwort
 
 
Der Schießsport
1. Schießen als Sport
Schützen werden oft nicht zu den Sportlern gezählt. Wenn man Sport als Leibesübung, und Leibesübung nur als Training für Muskeln, Kreislauf usw. bezeichnet, könnte man das Schießen nicht für einen Sport halten. Da aber zum Leib auch der Geist gehört, kann man das Schießen durchaus als Sport, der zur inneren Ruhe führen soll, bezeichnen. Er dient als Konzentrationsübung und trainiert das disziplinierte Verhalten. Die Voraussetzung für diesen Sport ist nicht nur die absolute Beherrschung der Muskeln, sondern auch die Funktion des Geistes. Wer sich nicht konzentrieren kann, wird kaum etwas treffen. Nicht umsonst haben hinduistische Mönche schon vor vielen Jahrhunderten dem Bogenschießen einen festen Platz in ihren Yoga-Übungen gegeben. An der notwendigen Konzentration hat sich bis heute nichts geändert, nur dass man den gleichen Effekt mit dem größeren Angebot an Waffen auf abwechslungsreiche Weise erlangen kann.


2. Geschichtliches
Die genaue Zeit der Entstehung der Schützenvereine ist nur schwer nachzuweisen. Kein Zweifel dürfte darin bestehen, dass die Anfänge des Schützentums schon im frühen Mittelalter zu finden sind. Der Ursprung scheint auf das 12. Jahrhundert zurückzuführen zu sein. Zu dieser Zeit wurde noch mit der Armbrust geschossen. Erst im 15. Jahrhundert gesellte sich die Büchse als Waffe dazu. Die Schützengesellschaften wurden damals gegründet, damit sich die Städte besser zur Wehr setzen konnten. Schon in alter Zeit war das bedeutendste Ereignis das Königsschießen, das zum Teil wie ein Volksfest gefeiert wurde. Der König trug für die Dauer eines Jahres eine Ehrenkette und kam in den Genuss einer Reihe von Vorteilen. Er wurde zum Beispiel von der Steuerpflicht und vom Wachdienst befreit. Im 17. /18. Jahrhundert verloren die Schützengilden als Wehrdienste ihre Bedeutung, da es nun Heere gab. Die Gilden aber hielten an ihrem Brauchtum fest und pflegten gesellige Veranstaltungen weiter. Heute gibt es in Deutschland 1,5 Millionen und weltweit 25 Millionen Schützen.


Chronik

Wir sind älter, als wir sind! In Tutzing und Unterzeismering gab es zwei Schützengesellschaften, die "Altschützen" und die "Edelweißschützen". Im Jahre 1924 hielten die Altschützen in Tutzing ein Gauschießen ab. Beim Festzug marschierte da eine kleine Gruppe mit: ohne Fahne, ohne Schützenkönig, ohne Schützenkette, ohne Namen, ohne Eintragung in die Gaurolle. Diese kleine Gesellschaft marschierte und existierte gewissermaßen "schwarz". Das waren "wir". Wir existierten eben schon vor unserer Gründung.
Warum unsere Vorvorderen in den folgenden zwei Jahren mit der offiziellen Gründung der Schützengesellschaft schwanger gingen, liegt leider ebenso im Dunkel der Geschichte wie so manch andere Ereignisse in der Frühzeit unseres Vereins.
Der Gründer der Gesellschaft, Johann Cattaneo, war ein begeisterter und treffsicherer Schütze. Er war bereits damals Mitglied der Edelweißschützen Unterzeismering und der Altschützen Tutzing. Cattaneo entschloss sich, den Grund kennt wohl heute niemand mehr so genau, einen eigenen Schützenverein zu gründen. Den Stamm hatte er ja bereits in den oben genannten "Schwarzen".
So trafen sich am Abend des 31. August 1926 im Tutzinger Sommerkeller fünf Tutzinger Bürger und beschlossen, eine neue, eine zweite Schützengesellschaft In Tutzing zu gründen. Es waren dies Johann Cattaneo, Alois Grill, Franz Mischek. Robert Riedel und Christian Schmid. Mehr als zwei Monate später fand am 7. November 1926 die nächste Versammlung statt. Durch Zuruf wurde eine endgültige Vorstandschaft gewählt, die sofort grundlegende Beschlüsse fasste": 1. Schützenmeister Johann Cattaneo, 2. Schützenmeister Robert Riedel, 1. Schriftführer Christian Schmidt, 2. Schriftführer Birzer, 1. Kassier Alois Grill, 2. Kassier Franz Mischek, Zeugwart Georg Gunzt. Der Name der Gesellschaft war schnell gefunden: "Immergrün". Der Beitrag wurde auf 40 Kreuzer monatlich, die Aufnahmegebühr auf 1 Reichsmark festgelegt. Wegen der Ebbe in der Kasse (wie heute) wurde schon damals der 1. Schützenmeister beauftragt, Geld zu organisieren zum Ankauf eines Stutzens von der Brauerei Hackerbräu. Diese Ebbe und die säumigen Beitragszahler waren die Anfangsprobleme der ersten Jahre der "Immergrünen".

Die Schützengesellschaft schlug schnell Wurzeln und trieb Spross um Spross. Kein Wunder, kannte Johann Cattaneo als Fahrer der Weizenbierbrauerei, als Betreiber des Weizenbierstüberls und als Limonadenlieferant viele Leute in Tutzing und Umgebung. Natürlich waren sich anfangs die beiden Schützengesellschaften nicht immer "grün" trotz des Namens. Heute schießt man längst nicht mehr aufeinander, sondern buchstäblich miteinander, sogar im selben Lokal, wenn auch an verschiedenen Wochentagen. Am Silvesterabend 1932 verabschiedete sich beim Strohschießen der Postwirt Hubert Buchfelder mit seiner Frau von den Immergrünschützen. Er stiftete der Gesellschaft einen Geldbetrag; der zum Ankauf eines Talers für die Schützenkette bestimmt wurde. 1933 beschlossen die Ausschussmitglieder einer öffentlichen Versammlung verschiedene Muster für eine Schützenkette zu unterbreiten und den Kaufpreis mitzuteilen. Heute hängen an der Kette eine goldene und 60 silberne Münzen, die Namensschilder nicht gerechnet. Sie wiegt eine ganze Menge und stellt einen beträchtlichen Silberwert dar, vom ideellen Wert ganz zu schweigen.
Wenn nach 1933 die Schützengesellschaft ausrückte, dann war der Schützenkönig mit der Königskette geschmückt. Eine Fahne aber fehlte noch.

Zu einem Preisschießen im Jahr 1935 kamen 120 Schützen. Bei der festlichen Preisverteilung sprach zum Abschluss des offiziellen Teiles ein Vertreter aus Starnberg. Er lobte die Teilnehmer für ihre Treue und ihren Eifer, dankte dem Ausschuss, den Schreiberinnen, den Zielern und verlieh den beiden bewährten Schützenmeistern Cattaneo und Lettner Silberne Ehrennadeln, ermahnte aber auch im Vorwärtsstreben für die gute Sache des deutschen Schießsports nicht nachzulassen. Dieses Preisschießen brachte laut Kassenstandsbericht des Kassiers Otto Enzinger vom 18. Juli 1935 einen Überschuss von 350, - RM und damit die lang gewünschte Fahne!
Der 1. Schützenmeister Cattaneo lud zu einer Versammlung am 18. Juli 1935 den Inhaber der Fahnenstickerei Auer aus München ein. Herr Auer zeigte viele Muster. "Nach längerer Debatte wurde beschlossen, die erste, vordere Seite mit dem herrlichen Landschaftsbild Johannishügel zu schmücken, die Rückseite mit Adler-Scheibe und zwei gekreuzten Stutzen. Schützenmeister Cattaneo und Richard Hupfauf ruderten Herrn Auer auf den See hinaus, damit der den Johannishügel mit den alten, weithin sichtbaren Bäumen und der Johann-Nepomuk-Figur darunter mit eigenen Augen und in Wirklichkeit sehen konnte.

Der verteidigungs-kriegerische alte Spruch "Sicheres Auge, feste Hand schützen Herd und Heimatland!" knüpfte an der Tradition der alpenländischen Schützen-Kompanien an und passte in die Zeit der "Wiederaufrüstung". Heute würde man mit Sicherheit eine mehr sportbetonte Umschrift wählen. In die Fahne wurde trotz der Aufforderung des Bürgermeisters kein Haken-kreuz gestickt. Herrn Auer, einem alten Sozialdemokraten, war das nur recht und die fertige Fahne wurde nach unauffälliger "Weihe" in der Kirche aufbewahrt.
Bei genauerer Betrachtung der Fahne stellt man überrascht fest, dass das eingestickte Gründungsjahr 1925 mit der dokumentierten Gründung im Jahr 1926 in gewissem Widerspruch steht. Nach einer schlüssigen Erklärung für dieses Rätsel, das uns die Gründungsmitglieder aufgegeben haben, sucht man heute vergebens.
Noch bedeutsamer als für einen großen Verein mit eigenen Haus ist für eine kleine Schützengesellschaft ihr Wirt. Er sorgt nicht nur für die Stärkung des Leibes durch gutes, preiswertes Essen, für die Beruhigung der Nerven durch sein nach dem bayerischen Reinheitsgebot hergestelltes Zielwasser, für das Wohlbefinden durch eine behagliche Wirtsstube und für die Möglichkeit Feste zu feiern, er bietet mit seinem Lokal auch die Voraussetzung: einen Schießstand; und den braucht eine Schützengesellschaft ja auch.
Der "Tutzinger Sommerkeller" war das erste Lokal der Schützengesellschaft lmmergrün. Seit den dreißiger Jahren vermutlich heißt er Tutzinger Keller. Zur Gründungszeit der "lmmergrünen" hatte diese Gastwirtschaft nach Westen, in Richtung Bahngleis, einen saalartigen, hölzernen Anbau. Über dem Saal befand sich ein Balkon, lang, schmal, überdacht: Das war der erste Schießstand der lmmergrün-Schützen mit Platz für eine Scheibe und einen Schützen.
Einstimmig beschlossen die Schützen 1929 auf einer außerordentlichen Versammlung, vom Tutzinger Sommerkeller in den Gasthof "Zur Post" zu wechseln. Sie versprachen sich davon einen Zuwachs an Mitgliedern. Freilich galt es vorher, eine Schuld von 50. - RM bei Herrn Wanninger, dem Sommerkeller-Wirt zu tilgen. Im Frühjahr 1933 sollten Saal und Nebenzimmer der "Post" gründlich renoviert werden. Die Gesellschaft wechselte deshalb nach dem 11. Februar 1933 auf "einige Zeit" in die Weizenbierbrauerei. "Lustig wie immer zogen wir dorthin‚ nicht nur die Schützenkameraden waren vollzählig erschienen, sondern viele Schaulustige folgten unserem Weg." Dort muss auch ein mit Fleischpreisen, Ehrenscheiben und Musik attraktiv gestaltetes Endschießen stattgefunden haben.
Am 11. November 1934 fand eine Ausschusssitzung bereits im "Andechser Hof" statt. Das Kloster Andechs hatte 1933 den Gasthof gekauft und 1934 an das Ehepaar Ruprecht und Rosa Egl verpachtet. Die Gleichschaltung aller Vereine und Verbände im Sinne des Nationalsozialismus hat die Schützengesellschaft Immergrün eigentlich recht gut überstanden. Der erste Einbruch von NS-Geist zeigte sich in der Einführung eines neuen Namens für eine alte Aufgabe: "Dietwart hieß nun der Schütze, der das Vereinswesen zu kontrollieren verpflichtet war. Er wurde freilich nicht gewählt. sondern ernannt. Die Protokolle aus jener Zeit berichten, dass zu größeren Veranstaltungen ein Untergauleiter aus Starnberg erschien und die Feiern mit dem Üblichen "dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler schloss. Wehrertüchtigung und Kleinkaliberschießen fanden außerhalb von Immergrün statt, z.b. im Kyffhäuser Bund. Später, nach 1939, waren bald zu viele Schützen dort, wo das Schießen weder Sport war, noch Spaß machte, jedenfalls nicht einem anständigen Schützen. Das Vereinsleben erlosch.
1945 waren aus dem damaligen Protokollbuch die Seiten von 1933 bis 1938 herausgeschnitten, aber nicht vernichtet worden: Zu harmlos war auch für die Entnazifizierungsstellen, was auf diesen Seiten berichtet war. So stieß auch der Versuch einer Neugründung kurz nach dem Krieg auf keine politischen Schranken. Der am 18. Oktober 1949 im Andechser Hof zusammengetretene Ausschuss wurde von der Militärregierung ohne Schwierigkeiten genehmigt, nachdem der Nachweis erbracht werden konnte, dass sich kein Ausschussmitglied (NS) politisch betätigt hatte. Dem rührigen Gründer des Immergrün - Schützengesellschaft, Johann CATTANEO, war es zu verdanken, dass die Immergrünen mit der Ausübung ihres Sportes bereits im Jahre 1949 wieder beginnen konnten. Dazu bedurfte es aber eines nicht geringen Papierkrieges und letztlich der Genehmigung durch die Militärregierung, denn alles was auch nur im entferntesten wie eine Waffe aussah, war der damaligen Besatzungsmacht nicht ganz geheuer.
Mit der erteilten Genehmigung zur Wiederaufnahme des Schießsports in der Tasche zogen wir Schützen in den Andechser Hof ein, der das Nebenstüberl für uns als Schießstand zur Verfügung stellte. Von da an war der "Andechser" unser Schießlokal, das die Immergrünen bis 1964 beherbergte. Wir waren da zwar gut aufgehoben, aber der Schießstand war von den Abmessungen her für diesen Zweck gerade noch tauglich, was auch auf die Sicherheit zutraf. Und das nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Schießstande. Denn als an einem Schießabend zwei nichts Böses ahnende Tutzinger Bürger draußen an der Wirtschaft vorbeigingen, hörten sie plötzlich über ihren Köpfen ein verdächtiges Zischen und auf der anderen Straßenseite einen deutlich vernehmbaren Einschlag in einer Jalousie. Sie stutzten und stellten ihre Lauscher auf und schon machte es wieder "Patsch" auf der anderen Straßenseite. Da pirschten sie sich vorsichtig in den Andechser hinein um nachzusehen, wer der Urheber dieses "besonderen Vorkommnisses" war. Das Rätsel war schnell gelöst, denn die Immergrünen, die immer schon einige besonders zielsichere Schützen ihr eigen nannten, hatten ganz einfach im Laufe der Zeit ein Loch in den Kugelfang und die Fensterblende geschossen und durch ein kleines, in die darunter liegende Fensterscheibe gestanztes Loch, pfiffen die Kugeln ins Freie, gottlob ohne Schaden anzurichten. Aber das sind eben die Probleme, die man zwangsläufig mit einem Provisorium hat, an das man sich im Laufe der Jahre gewöhnt.
Recht gesellig waren sie, die alten Immergrün-Schützen: Da gab es nicht nur Anfangs- und End- und Königsschießen! Beim Sauschießen konnte man zwar kein ganzes Schwein aber schöne Fleischpreise mit nach Hause nehmen. Der Saukopf wurde oft gleich an Ort und Stelle verzehrt. Wer die Saufocken, ein Büschel Schweinsborsten gewann. hatte zum Schaden auch noch den Spott auszuhalten. Beim Wurstschießen galt es. den Faden zu treffen. an dem eine große Wurst hing. Mancher Schütze soll bemüht gewesen sein, das Gewicht der Wurst zu vergrößern, mit Blei, um den Gewinner zu tratzen. Sogar Kegelschießen gab es. Auf neun kleine Stahlkegel wurde mit der Kugel aus dem Zimmerstutzen oder dem Luftgewehr ‚geschoben'. Beim Strohschießen waren die Preise wirklich noch in Strohwische eingebunden.

Es gab Bälle und Sommerfeste. Johann Cattaneo soll nicht nur als rühriger Schützenmeister an solchen Festen interessiert gewesen sein, hätten ihm manche nachgesagt, sondern auch als Limonadenlieferant. Das dürfte aber übler Nachrede nahe kommen: Welcher Schütze hat schon Durst auf Limo?




Nahezu unbekannt ist auch, dass unser Ver-ein vom 2. - 17. Mai 1953 das 2. Gau-schießen im Rahmen der 1200 Jahr Feier der Gemeinde Tutz-ing organisierte.


Für uns gab es erstmals ein böses Erwachen, als wir den Andechser Hof verlassen und uns nach einer neuen Bleibe umsehen mussten. Viele Möglichkeiten gibt es ja in Tutzing nicht und da wurde beim "Mühlhofer" im Tutzinger Keller angeklopft, der uns Immergrünen freundlich aufnahm.
Am 14. März 1964 hatte Schützenmeister Staltmaier die Schützen zu einer außerordentlichen Versammlung in den Tutzinger Keller geladen. Nachdem Schießleiter Edgar Trost erklärt hatte, dass das Nebenzimmer für fünf Schießstände geeignet sei, stimmten 18 der anwesenden 22 Schützen für den Umzug. Edgar Trost und einige Helfer bauten abnehmbare Fenster- und Türblenden, verlegten elektrische Leitungen und montierten fünf abbaubare Schießstände. Schon am 4. April 1964 konnte der Schießbetrieb wieder fortgeführt werden. Anfangs teilten wir uns den Raum mit dem Billard-Klub Tutzing, später stießen die Altschützen Tutzing dazu. Jeden Freitag wurden die Schießstände auf- und abgebaut. Es war zwar jeweils ein ziemlicher Aufwand, bis die Billard-Tische und die übrige Einrichtung abgedeckt waren und der erste Schuss abgegeben werden konnte. Das war aber bald schon Routine und ging ruckzuck.. Wenn auch die Räumlichkeit nicht ganz die erforderlichen Maße aufwies, nur 9,60m statt 10m lang, so war man doch zufrieden mit dem was man hatte, denn einen richtigen Schießstand hatten die Tutzinger Schützengesellschaften bis dahin noch nie gehabt. Während die Schützen in der großen Gaststube beisammen saßen, konnte im Nebenzimmer in kühler, ruhiger Atmosphäre und in rauchfreier Luft geschossen werden.

Zur der Zeit kämpften die Immergrünen auch im Rundenwettkampf mit einer Gewehrmannschaft mit. Wie uns die Oberpfaffenhofener erzählten, waren die Tutzinger haushoch überlegen. Sie schossen mit den nagelneuen "Seitenspannern", während sie noch mit Zimmerstutzen und Rundkugeln schossen. Aber es wurde nicht nur geschossen, auch die Geselligkeit kam nie zu kurz. Beim Rundenwettkampf in Unering im Februar 1969 prostete uns ein Uneringer mit einem wunderschönen Bierkrug zu und bot ihn uns dann zum Trinken an. Einer von uns nahm ihn, aber oh Schreck, der Krug war so schwer, dass er nicht vom Tisch gehoben werden konnte. Er war aus Gusseisen und ca. 17 Pfund schwer. Es gab ein heiteres Gelächter natürlich auf unsere Kosten.

Im Frühjahr 1976 lud die Gesellschaft anlässlich ihrer 50-Jahr-Feier zu einem Jubiläumsschießen ein: die Schützengesellschaften Altschützen Tutzing, Edelweiß Unterzeismering. Altschützen Traubing, Edelweiß Traubing und St. Sebastian Machtlfing 133 Schützen folgten der Einladung.
Es gab Reden, Ehrenzeichen und auch Musik. Am Sonntag, dem 4. April fand das Jubiläum einen würdigen Abschluss mit einem Festgottesdienst in der Tutzinger katholischen Pfarrkirche und eine Kranzniederlegung für die verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft am Grab des Gründers Johann Cattaneo. In kleinerem Rahmen wurde das 60jährige Bestehen der Gesellschaft im Frühjahr 1986 gefeiert. Eingeladen waren das Gauschützenmeisteramt und die Schützenmeisterämter der Tutzinger Schützengesellschaften, zu denen seit der Gebietsreform auch die beiden Traubinger Gesellschaften gehören.

Beim 32. Gauschießen in Starnberg im Mai 1986 hatte unser Mitglied Julius Bernhardt mit seinem 15,8-Teiler die Gaukönigswürde errungen. Nur der Gaukönig hatte damals, wie die Vereinskönige, das Recht für den Königsschuss auf dem Oktoberfest, wo es um die Würde des Landesschützenkönigs geht.
Aber für diesen Schuss hatte unser Julius kaum Zeit. Zwischen einem Besuch in Bremerhaven bei den Eltern der Braut Petra, einer Tutzinger Altschützin und einem fest gebuchten Südtirol-Urlaub fuhren die beiden am Freitag, dem 25. September 1986, schnell noch auf die Wiesn. Um 16.30 Uhr fiel Julius' letzter Schuss. Petra! Petra!" Es kam nicht nur die Petra, es gab einen kleinen Auflauf, es war ein 26,5-Teiler: 1. Platz in der Reihe der Königsanwärter. Als Julius am Samstag, dem 3. Oktober, beim Gauschützenmeis-ter anrief, war dessen Tochter Birgit am Apparat. Die Auskunft war kurz: "Koffer packen!" Den Schützenmeister Rudi Emmer traf die Nachricht in der Badewanne. Aber er mobilisierte 15 seiner Getreuen und am Sonntagvormittag fuhr ein Konvoi Immergrüner Autos vom Tutzinger Feuerwehrhaus ab. Im Schützenzelt saßen wir vorne, dem Landesschützenmeisteramt gegenüber. Der neue Landesschützenkönig ist Julius Bernhardt von der Schützengesellschaft lmmergrün Tutzing. Schießleiter Alois Müller konstruierte eine große, zerlegbare Krone. Julius' Petra, Floristin beim Lorenz, schmückte sie mit Grün und Blumen. Nach dem Oktoberfestzug wurde diese Krone zu einem symbolischen Preis dem BSSB verkauft und so ist auch heute noch ein Teil "Immergrün" an jedem Schützenzug dabei.
So lebten die Immergrünen mit ihrem neuen Schützenmeister Emmer Rudi unbeschwert von Schießsaison zu Schießsaison und dachten an nicht Böses, bis es im Jahre 1987 plötzlich ein unerwartetes und unerfreuliches Erwachen gab. Die Inhaberin des Tutzinger Kellers war verstorben und die Wirtschaft wurde von heute auf morgen geschlossen.
Da standen wir nun ohne Schießlokal da und auf die Schnelle war auch kein neuer Pächter in Sicht. So blieb dem damaligen Schützenmeister Rehm nicht anderes übrig als auf Herbergssuche zu gehen. Er brauchte nicht lange zu suchen, denn die Feldafinger Altschützen gewährten den Immergrünen in ihrem Vereinslokal Unterschlupf. So schossen wir von 1987 an bis zum Jahre 1988 als Gastschützen in Feldafing.

Dieses Erlebnis ließ in den Köpfen so manchen Immergrünen erstmals ernsthaft den Gedanken an ein eigenes Schützenheim ganz zaghaft reifen, denn es sollte nicht lange dauern, bis sich erneut Umstände ergaben, die die Richtigkeit solcher Überlegungen bestätigten.
In diese Phase fiel der Erwerb des Tutzinger Kellers durch die Gemeinde und der glückliche Umstand, dass die Gemeinde eine leerstehende Baracke hatte, die sich zum Einbau eines Schießstandes eignete. Durch entsprechendes Vorfühlen des Schützenmeisters Sonner von den Tutzinger Altschützen war die Gemeinde bzw. der Bürgermeister schnell für die Idee zu begeistern, den Tutzinger Schützengesellschaften die Baracke am Tutzinger Keller aufzustellen.
Unter Federführung der "Müllers" von den Altschützen und unserem Alois Müller mit mehr oder weniger fachkundiger Unterstützung unsererseits wurde schließlich 1990 ein Schießstand errichtet, der zwar als Provisorium gedacht war, aber wie so manches Provisorium vermutlich ein sehr hohes Alter erreichen dürfte...., wenn der Bau nicht irgendwann aus Altersschwäche den Geist aufgibt.

Jedenfalls war der mit der Schießsaison 1990/1991 eingetretene Zustand mit einer eigenen Schießstätte und einem neuen Wirt ein bisher nie da gewesenes Optimum für unsere Schützen, da wir nun in der Wirtschaft den Nebenraum, in dem früher geschossen wurde, als gemütliches Schützenstüberl nutzen konnten.

Doch wie das Schicksal so spielt, wurden wir jäh aus unserem glücklichen Dasein gerissen, als sich 1994 abzeichnete, dass der Pächter den Kram hinschmeißt und wir wieder vor einer Situation stehen würden, wie wir sie vor nicht lange zurückliegender Zeit bereits einmal mitmachten, als wir auswärts unserem Sport nachgehen mussten.

So stellte sich für die Vorstandschaft bei Beginn der Schießsaison 1994/1995 die Frage: "Wie soll es weitergehen?" Bei der Jahreshauptversammlung war das beherrschende Thema folglich: "Was tun"? . Da sich das Problem nicht nur für uns, sondern auch den Altschützen stellte, die Anfang der 70er Jahre auch in den Tutzinger Keller gewechselt waren, und die Gemeinde signalisierte, sie würde die Wirtschaft zur Eigenbewirtschaftung zur Verfügung stellen, plädierte der Vorstand dafür, dieses Angebot anzunehmen. Nach einer lebhaften geführten Debatte, in der das Für und Wieder diskutiert wurde, beschloss man zur Tat zu schreiten. Der Schützenmeister, der sich mit seiner besseren Hälfte bereit erklärt hatte, sich um das leibliche Wohl seiner Immergrünen zu kümmern, schaffte vom Steidl einen Kühlschrank nebst den dazugehörigen Getränken herbei und der folgenden Schießabend fand bereits in Eigenregie statt. Beim Stöckerl waren Leberkäs' und Würstl geordert worden und den Skeptikern zum Trotz war bereits der Probelauf eine Mords Gaudi und ein voller Erfolg.

Das war letztlich aber nur möglich, weil alle an einem Strang zogen und das Beste aus der Situation machten. Von nun an wurde gebrutzelt und gekocht, dass es eine wahre Freude war. Insgeheim hofften alle, dass der Zustand möglichst lange anhalten möge, denn man hatte die Vorteile eines "Vereinslokals" kennengelernt. Auch wenn allen klar war, dass dieser Idealzustand nur auf Zeit sein konnte.

Schließlich wurden doch zwei Jahre daraus, an die alle gerne zurückdenken!
Aus der Not heraus etwas tun zu müssen, wurde damals die Wallfahrt nach Andechs geboren. Sie gehört auch heute noch zu den jährlichen außersportlichen Pflichtübungen, die unser Verein ernsthaft aber auch mit viel Spaß an der Sache wahrnimmt.

Um unsere Fitness zu stärken, die zu unserem Sport ja unbedingt dazugehört, werden Radtouren, Bergmärsche, Oktoberfestbesuche, Seefeste und anderes organisiert. Dazu gehört selbstverständlich nach vollendeter Arbeit die zünftige Brotzeit, die für alle aktiven Sportschützen eine Selbstverständlichkeit sein dürfte.

Was wäre ein Verein ohne den Nachwuchs?
Als unser Verein bemerkte, dass nicht durch Austritt aber durch Alter die Anzahl der Aktiven ständig zurückging, bemühten wir uns intensiv um Werbung von Jugendlichen.

Nachdem es uns gelungen war die erste Mannschaft zu formen und erste Erfolge zu erzielen, kamen immer mehr Kinder, um den Schießsport kennen zu lernen.
Zur Zeit haben wir ein Team von 3 Junioren, 6 Jugendliche und 6 Schüler. Sollten wir sie im Verein halten können brauchen wir uns um die Zukunft unseres Vereins keine Sorgen machen.


Tutzing war und ist ja schon immer, wie auf dem Bild zu sehen, eine fortschrittliche und innovative Gemeinde. Auch im Schießsport ist die technische Entwicklung nicht stehengeblieben. Ein kurzer Überblick über die Veränderungen der letzten Jahrzehnte:


Geschossen wurde bis in späten 60er Jahre auf die fünfer Ringscheibe. Sie ist auch heute noch, bei historischen Zimmerstutzenwettkämpfen in Gebrauch.


Eingetragen wurden die Ergebnisse mit Stempel in ein persönliches Schießbuch. Ein Bei-spiel aus dem Jahr 1956 zeigt das Buch unseres 2.Schützenmeister Rehm Josef.


Da die Ergebnisse immer besser wurden und die Unterscheidung zwischen den Schützen immer schwieriger, wurde die Zehner-Ringscheibe eingeführt. Der Spiegel war aus Pappe und konnte zur Auswertung der Blattl herausgedrückt werden.


Unsere ersten Blattl-Auswerte-Maschine, nicht immer sehr präzise und stark abhängig von der Sehstärke des Schießleiters.


Schützenhaus

Immergrün Tutzing

Bernriederstraße 1a

82327 Tutzing

Schießzeiten

Montag                   17:00 - 21:00

Freitag                    19:00 - 21:00